Barrierefreie Videos

10.09.2026 · 9 Min. Lesezeit

Barrierefreie Videos – Untertitel, Audiodeskription und WCAG-Anforderungen

Barrierefreie Videos sind Videoinhalte, die von allen Menschen genutzt werden können – unabhängig von Hör- oder Sehvermögen. Die wichtigsten Bausteine sind Untertitel für gehörlose und schwerhörige Nutzerinnen und Nutzer, Audiodeskription für blinde und sehbehinderte Menschen sowie Transkripte als vollständige Textalternative. Hinzu kommt ein barrierefreier Video-Player, der per Tastatur bedienbar ist.

Videos gehören zu den Inhalten, bei denen Barrierefreiheit besonders häufig vernachlässigt wird – obwohl die WCAG hier klare Anforderungen stellen. Fehlende Untertitel, nicht vorhandene Audiodeskription und automatisch startende Wiedergabe mit Ton sind typische Fehler, die Menschen mit Behinderungen von Inhalten ausschließen. Gute Nachricht: Das Erstellen barrierefreier Inhalte ist mit den richtigen Beispielen und Werkzeugen gut umsetzbar.

Für vom Gesetz erfasste digitale Angebote gelten seit dem 28. Juni 2025 die Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG). Die WCAG dienen dabei als internationaler Standard – mit konkreten Kriterien für barrierefreie Videos auf Level A und AA.

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Barrierefreie Videos auf einen Blick

  • Untertitel: Für gehörlose und schwerhörige Menschen – WCAG 1.2.2 (AA) für voraufgezeichnete Videos
  • Audiodeskription: Für blinde und sehbehinderte Menschen – WCAG 1.2.5 (AA) für voraufgezeichnete Videos
  • Transkript: Vollständige Textalternative – besonders wichtig für reine Audioinhalte (WCAG 1.2.1 A)
  • Barrierefreier Player: Steuerelemente per Tastatur bedienbar, Kontrast ausreichend
  • Kein Autoplay mit Ton: Automatisch startender Ton muss abschaltbar sein (WCAG 1.4.2 A)

Untertitel: Was sie sind und wie man sie erstellt

Untertitel zeigen gesprochene Inhalte als Text an – synchron zum Video. Sie helfen nicht nur gehörlosen und schwerhörigen Menschen, sondern auch Nutzern in lauten Umgebungen, Lernenden in einer Fremdsprache oder Menschen die Videos ohne Ton ansehen. Es gibt zwei Arten: geschlossene Untertitel (ein- und ausschaltbar) und offene Untertitel (fest ins Bild gebrannt).

  • Manuell erstellen: Höchste Qualität – Zeitstempel und Text von Hand setzen (z. B. in SRT-Format)
  • Automatisch generieren: YouTube, KI-Tools oder Whisper (Open Source) – immer auf Korrektheit prüfen
  • Professionelle Dienste: Untertitelungsdienste liefern geprüfte, normkonforme Untertitel
  • Qualitätsprüfung: Automatisch generierte Untertitel müssen vor Veröffentlichung korrekturgelesen werden

Audiodeskription: Visuelle Inhalte hörbar machen

Audiodeskription ist eine zusätzliche Tonspur, die visuelle Inhalte verbal beschreibt – für blinde und sehbehinderte Menschen. Sie erklärt, was auf dem Bildschirm zu sehen ist: Handlungen, Mimik, Ortswechsel, eingeblendeter Text oder Grafiken. Audiodeskription wird in Sprechpausen eingebettet und ergänzt den bestehenden Ton, ohne ihn zu ersetzen.

Ein praktisches Beispiel: Ein Produktvideo zeigt, wie ein Nutzer durch eine App navigiert. Ohne Audiodeskription hören blinde Menschen nur die Hintergrundmusik. Mit Audiodeskription wird erklärt: „Der Nutzer öffnet das Menü oben rechts und wählt Einstellungen." Erst so wird der Inhalt vollständig zugänglich.

Transkripte: Textalternative für Audio- und Videoinhalte

Ein Transkript ist eine vollständige schriftliche Version eines Audio- oder Videoinhalts. Anders als Untertitel wird es nicht synchron angezeigt, sondern als separater Text bereitgestellt. Transkripte helfen gehörlosen Menschen, aber auch taubblinden Nutzerinnen und Nutzern, die auf Braille-Ausgabe angewiesen sind, sowie Menschen die Inhalte lieber lesen als ansehen.

  • Für reine Audioinhalte (Podcasts): Transkript ist auf WCAG Level A verpflichtend (1.2.1)
  • Für Videos: Transkript empfohlen – ergänzt Untertitel und Audiodeskription
  • Inhalt: Alle gesprochenen Inhalte, relevante Geräusche und visuelle Informationen
  • Platzierung: Direkt unterhalb des Videos oder als verlinktes Dokument

Barrierefreier Videoplayer: Worauf es ankommt

Selbst perfekte Untertitel und Audiodeskription helfen wenig, wenn der Video-Player selbst nicht barrierefrei ist. Ein barrierefreier Player muss vollständig per Tastatur bedienbar sein – Play, Pause, Lautstärke, Untertitel ein/aus, Vollbild – und alle Steuerelemente müssen ausreichend Beschreibungen für Screenreader haben.

  • Tastaturbedienbar: Alle Funktionen per Tab und Pfeiltasten erreichbar
  • ARIA-Labels: Schaltflächen haben zugängliche Beschreibungen für Screenreader
  • Ausreichend Kontrast: Steuerelemente erfüllen WCAG 1.4.11 (3:1 für UI-Komponenten)
  • Bekannte barrierefreie Player: Ableplayer, Plyr mit Konfiguration, Video.js mit Plugins

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Häufige Fragen zu barrierefreien Videos

Reichen automatisch generierte Untertitel für WCAG-Konformität?

Nein – nicht automatisch. Automatisch generierte Untertitel enthalten häufig Fehler bei Eigennamen, Fachbegriffen oder schnell gesprochenem Text. WCAG 1.2.2 fordert korrekte Untertitel. Automatisch generierte Untertitel müssen vor der Veröffentlichung geprüft und korrigiert werden.

Ist Autoplay auf Websites erlaubt?

Autoplay ohne Ton ist nach WCAG grundsätzlich möglich, muss aber pausierbar sein (WCAG 2.2.2). Autoplay mit Ton ist problematisch: Ton der länger als 3 Sekunden automatisch abgespielt wird, muss abschaltbar oder auf maximal 3 Sekunden begrenzt sein (WCAG 1.4.2). Für Screenreader-Nutzer ist automatisch startender Ton besonders störend.

Brauche ich sowohl Untertitel als auch Audiodeskription?

Für vollständige Barrierefreiheit ja. Untertitel helfen gehörlosen und schwerhörigen Menschen – sie ersetzen aber keine Audiodeskription für blinde Menschen. Audiodeskription beschreibt visuelle Inhalte, die der Ton nicht vermittelt. Beide zusammen machen ein Video für alle Nutzergruppen zugänglich.

Welches Format sollten Untertitel haben?

Das gängigste Format ist SRT (SubRip Text) – es wird von allen gängigen Videoplattformen und -playern unterstützt. Für Web-Videos wird WebVTT empfohlen, da es nativ im HTML5-Videoelement unterstützt wird. Beide Formate enthalten Zeitstempel und den jeweiligen Untertiteltext.

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