WCAG-Kriterien im Überblick: Die 4 Prinzipien einfach erklärt
WCAG-Kriterien wirken auf den ersten Blick technisch und unübersichtlich. Dabei lassen sie sich auf vier klare Prinzipien herunterbrechen, die jedes barrierefreie Angebot erfüllen muss.
Kurzfassung
WCAG 2.2 umfasst 87 Erfolgskriterien, verteilt auf vier Prinzipien: Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit. Diese Kriterien gliedern sich in drei Konformitätsstufen: A, AA und AAA. Für die meisten gesetzlichen Vorgaben in der EU, einschließlich BFSG, ist Stufe AA der geforderte Standard.
WCAG-Kriterien im Überblick: Die 4 Prinzipien einfach erklärt
Wer sich zum ersten Mal mit den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) beschäftigt, stößt schnell auf eine verwirrende Zahl an Kriterien, Stufen und Abkürzungen. Dabei lässt sich das gesamte Regelwerk auf vier klare Prinzipien herunterbrechen. Dieser Überblick zeigt, wie die WCAG-Kriterien aufgebaut sind, was die Konformitätsstufen bedeuten und worauf es für Unternehmen ankommt.
Was sind WCAG-Kriterien überhaupt?
Die WCAG sind internationale Richtlinien des World Wide Web Consortium (W3C), die festlegen, wann Webinhalte als barrierefrei gelten. Die aktuelle Version WCAG 2.2 umfasst insgesamt 87 Erfolgskriterien: 61 stammen bereits aus WCAG 2.0, 17 wurden mit WCAG 2.1 ergänzt, 9 weitere kamen mit WCAG 2.2 hinzu. Jedes einzelne Kriterium ist testbar und lässt sich damit objektiv prüfen, statt Interpretationsspielraum zu lassen.
Die vier Prinzipien der WCAG: POUR
Alle Kriterien der WCAG 2.2 lassen sich vier übergeordneten Prinzipien zuordnen, im Englischen als POUR bekannt: Perceivable, Operable, Understandable, Robust.
Wahrnehmbarkeit
Inhalte müssen für alle Nutzer wahrnehmbar sein, unabhängig davon, welche Sinne sie nutzen. Dazu zählen aussagekräftige Alternativtexte für Bilder, Untertitel für Videos und ausreichender Farbkontrast. Informationen dürfen nie ausschließlich über Farbe vermittelt werden.
Bedienbarkeit
Benutzeroberfläche und Navigation müssen bedienbar sein. Alle Funktionen müssen ohne Maus, allein per Tastatur, zugänglich sein. Nutzer dürfen nicht in Bedienelementen gefangen werden, und es muss genug Zeit zur Interaktion mit Inhalten bestehen.
Verständlichkeit
Informationen und Bedienung der Benutzeroberfläche müssen verständlich sein. Das umfasst lesbare Sprache, vorhersehbares Verhalten von Elementen sowie Hilfestellungen, um Eingabefehler zu vermeiden und zu korrigieren.
Robustheit
Inhalte müssen robust genug sein, um von einer Vielzahl unterschiedlicher Benutzeragenten interpretiert zu werden, einschließlich assistiver Technologien wie Screenreadern. Semantisch korrektes HTML ist hierfür die Grundlage.
Mehr Details zu einzelnen Prinzipien finden Sie in unserem Lexikon, etwa zur Bedienbarkeit als WCAG-Prinzip.
Konformitätsstufen: A, AA und AAA
Die WCAG-Kriterien sind zusätzlich in drei Konformitätsstufen unterteilt, die die Priorität widerspiegeln:
- Stufe A: Grundlegende Anforderungen mit höchster Priorität. Ohne diese Stufe weist eine Website erhebliche Barrieren auf.
- Stufe AA: Baut auf Stufe A auf und ist in der EU der gesetzlich geforderte Standard, unter anderem für das BFSG.
- Stufe AAA: Der höchste, freiwillige Standard. In der Praxis nicht für alle Inhaltstypen vollständig erreichbar.
Für die meisten gesetzlichen Vorgaben in der EU, einschließlich Barrierefreiheitsstärkungsgesetz und European Accessibility Act, ist Konformitätsstufe AA der geforderte Maßstab.
Was ist neu an WCAG 2.2?
WCAG 2.2 wurde im Oktober 2023 veröffentlicht und ergänzt WCAG 2.1 um neun zusätzliche Erfolgskriterien. Diese betreffen vor allem Nutzer mit motorischen oder kognitiven Einschränkungen, etwa durch Mindestgrößen für Bedienelemente, sichtbaren Tastaturfokus, alternative Drag-and-Drop-Funktionen und barrierearme Authentifizierung. Alle drei WCAG-Versionen sind abwärtskompatibel: Websites, die WCAG 2.2 erfüllen, erfüllen automatisch auch die Vorgängerversionen.
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easyMonitoring entdecken →Die WCAG-Kriterien wirken auf den ersten Blick komplex, folgen aber einer klaren Logik: vier Prinzipien, drei Konformitätsstufen, ein gemeinsames Ziel. Wer diese Struktur verstanden hat, kann Barrierefreiheit systematisch statt zufällig umsetzen.
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