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Agentic Commerce und digitale Barrierefreiheit: Was Online-Shops jetzt wissen müssen

Seit September 2025 kaufen KI-Agenten in ChatGPT und weiteren Assistenten direkt für ihre Nutzerinnen und Nutzer ein. Was das für die technische Barrierefreiheit von Online-Shops bedeutet, zeigt dieser Beitrag.

SiteCockpit Von SiteCockpit
28. August 2026 Praxis & Unternehmen 11 Min. Lesezeit

Kurzfassung

Agentic Commerce bezeichnet den Einkauf über KI-Agenten wie ChatGPT, Gemini oder Copilot, die Produkte suchen, vergleichen und Käufe vorbereiten oder abschließen. Zentrale Standards sind das Agentic Commerce Protocol (ACP) von OpenAI und Stripe seit dem 29. September 2025, das Agent Payments Protocol (AP2) von Google seit dem 16. September 2025 sowie eigene Protokolle von Visa und Mastercard. KI-Agenten lesen den Code einer Website ähnlich wie ein Screenreader, weshalb semantisches HTML, Alt-Texte und ARIA-Label nach WCAG 2.2 sowohl für Menschen mit Behinderung als auch für Agenten entscheidend sind. Seit dem 28. Juni 2025 verpflichtet das BFSG B2C-Online-Shops in Deutschland ohnehin zu diesen Standards. Wer die gesetzliche Pflicht erfüllt, bereitet den eigenen Shop damit zugleich auf Agentic Commerce vor.

Agentic Commerce und digitale Barrierefreiheit: Was Online-Shops jetzt wissen müssen

Seit September 2025 können ChatGPT-Nutzerinnen und Nutzer direkt im Chat einkaufen, und Google, Visa sowie Mastercard haben eigene Protokolle für KI-gesteuerte Käufe vorgestellt. Kaufentscheidungen werden zunehmend von KI-Agenten vorbereitet oder abgeschlossen, und diese Agenten lesen keine Bilder, sondern Code.

Für Online-Shops bedeutet das, dass Struktur, Semantik und saubere Daten über die Sichtbarkeit im neuen Einkaufskanal entscheiden, nicht Bildsprache oder Layout. Genau diese Anforderungen decken sich mit den WCAG-2.2-Kriterien, zu denen Online-Shops ohnehin verpflichtet sind. Wer barrierefrei arbeitet, bereitet den eigenen Shop gleichzeitig auf Agentic Commerce vor, ohne dafür ein separates Projekt aufzusetzen.

Was ist Agentic Commerce?

Agentic Commerce bezeichnet den Einkauf über KI-Agenten statt über den klassischen Weg per Suchmaschine und Website. Statt selbst zu suchen, zu vergleichen und in den Warenkorb zu legen, übergibt die Nutzerin diese Schritte an einen Assistenten wie ChatGPT, Gemini oder Copilot, der Produkte findet, bewertet und den Kauf vorbereitet oder direkt abschließt. OpenAI hat gemeinsam mit Stripe am 29. September 2025 Instant Checkout in ChatGPT gestartet und dafür das Agentic Commerce Protocol (ACP) als offenen Standard entwickelt. Google zog am 16. September 2025 mit dem Agent Payments Protocol (AP2) nach, das mittlerweile von mehr als 60 Partnern unterstützt wird, darunter Mastercard, PayPal, Salesforce und Adobe. Auch Visa und Mastercard haben mit dem Trusted Agent Protocol und Agent Pay eigene Standards für vertrauenswürdige, agentenbasierte Zahlungen eingeführt.

Für Händlerinnen und Händler im E-Commerce bedeutet das einen zusätzlichen Vertriebskanal, der nicht über klassisches Design, sondern über technische Klarheit funktioniert. Fragt eine Nutzerin ihren KI-Assistenten nach rutschfesten Laufschuhen für Regenwetter unter 120 Euro, muss der Agent Preis, Verfügbarkeit und Eigenschaften in Sekunden korrekt zuordnen können, ganz ohne dass jemand das Produktbild ansieht oder den Beschreibungstext liest. Ein Agent kann nur empfehlen und kaufen, was er eindeutig erfassen kann.

Die wichtigsten Protokolle im Überblick

Für Online-Shops lohnt sich ein Blick auf die Standards, die den neuen Einkaufskanal aktuell prägen.

  • ACP, Agentic Commerce Protocol, von OpenAI und Stripe, regelt Produktsuche und Checkout direkt in ChatGPT, seit dem 29. September 2025 im Einsatz
  • AP2, Agent Payments Protocol, von Google, seit dem 16. September 2025 mit mehr als 60 Partnern, darunter Mastercard, PayPal und Salesforce
  • MCP, Model Context Protocol, verbindet KI-Agenten mit Datenquellen und Systemen und bildet bei vielen Agent-Integrationen die technische Grundlage
  • Trusted Agent Protocol und Agent Pay, eigene Standards von Visa und Mastercard für vertrauenswürdige, agentenbasierte Zahlungen

Welcher dieser Standards für den eigenen Shop relevant wird, hängt vom eingesetzten Shopsystem und der Zielgruppe ab, und die Liste wird sich in den kommenden Monaten voraussichtlich weiter verändern. Unabhängig davon gilt, ein Agent kann nur mit sauberen, barrierefreien Grunddaten arbeiten, gleich über welches Protokoll er angebunden ist. Wer heute in Struktur statt in ein einzelnes Protokoll investiert, ist für künftige Standards bereits vorbereitet.

Warum Barrierefreiheit die technische Basis für Agentic Commerce ist

KI-Agenten erfassen eine Website ähnlich wie ein Screenreader, sie lesen den Code und nicht das visuelle Layout. Genau die Kriterien, die semantisches HTML, ARIA-Label und Alt-Texte nach WCAG 2.2 für Menschen mit Behinderung vorschreiben, machen Produktdaten damit auch für Agenten korrekt lesbar und zuordenbar.

Wie groß die Lücke aktuell ist, zeigt der WebAIM-Million-Report 2026, die jährliche Analyse der Startseiten der meistbesuchten Websites weltweit: 95,9 Prozent der untersuchten Startseiten weisen erkennbare WCAG-Fehler auf. Die häufigsten Fehlertypen betreffen genau die Bereiche, auf die auch KI-Agenten angewiesen sind.

  • Niedriger Farbkontrast, betrifft 83,9 Prozent der Startseiten und erschwert Menschen mit Sehbehinderung das Erkennen von Inhalten
  • Fehlende Bildbeschreibungen, betrifft 53,1 Prozent und lässt sowohl Screenreader als auch KI-Agenten ohne Information zum Produktbild zurück
  • Fehlende Formularbeschriftungen, betrifft 51,0 Prozent und erschwert das automatisierte Ausfüllen von Warenkorb und Checkout
  • Leere Links und Schaltflächen, betrifft 46,3 beziehungsweise 30,6 Prozent und liefert weder Menschen noch Agenten einen erkennbaren Zweck

Diese Fehler sind keine neue Baustelle. Sie sind dieselben, an denen bereits Screenreader-Nutzerinnen und -Nutzer seit Jahren scheitern, und an denen jetzt zusätzlich KI-Agenten scheitern, wenn sie Produktdaten für einen Kaufabschluss auswerten sollen. Fehlt der Alt-Text, kennt weder ein Mensch mit Sehbehinderung noch ein Agent die Farbe oder das Material des Produkts, und beide springen zur nächsten, besser dokumentierten Alternative. Barrierefreie Struktur ist damit gleichzeitig die Grundlage dafür, in Suchmaschinen und in KI-gestützten Antwortsystemen überhaupt korrekt erfasst zu werden.

BFSG und die rechtliche Pflicht für Online-Shops

Unabhängig von Agentic Commerce gilt seit dem 28. Juni 2025 in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), die deutsche Umsetzung des europäischen Accessibility Act. Es verpflichtet B2C-Online-Shops zur Barrierefreiheit nach WCAG 2.2 Stufe AA. Eine Ausnahme gilt nur für Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme, und auch das nur, sofern sie Dienstleistungen und keine der in Paragraf 1 Absatz 2 BFSG genannten Produkte anbieten. Ein kleiner Shop, der Waren verkauft, ist damit in aller Regel trotzdem zur Barrierefreiheit verpflichtet. Verstöße können mit Bußgeldern bis 100.000 Euro geahndet werden.

Die Anforderungen, die das BFSG ohnehin verlangt, sind damit dieselben, die einen Online-Shop auf Agentic Commerce vorbereiten. Wer die gesetzliche Pflicht erfüllt, erschließt sich den neuen Einkaufskanal praktisch nebenbei.

Konkrete Maßnahmen für Ihren Online-Shop

Ein vollständiger Relaunch ist dafür nicht nötig. Die meisten Maßnahmen lassen sich schrittweise umsetzen, ohne Design oder Shopsystem anzutasten. Um Produktdaten sowohl für Menschen als auch für KI-Agenten zugänglich zu machen, sind folgende Punkte entscheidend.

  • Strukturierte Produktdaten, einheitlich und vollständig zu Preis, Verfügbarkeit und Eigenschaften, idealerweise nach Schema.org ausgezeichnet
  • Aussagekräftige Alt-Texte für jedes Produktbild statt Platzhalter oder Dateinamen
  • Semantisches HTML statt reiner div-Strukturen, damit Überschriften, Listen und Produktkarten eindeutig zuordenbar sind
  • ARIA-Label für interaktive Elemente wie Warenkorb, Filter und Größenauswahl
  • Ausreichender Farbkontrast und beschriftete Formularfelder im gesamten Checkout-Prozess, damit weder Menschen noch Agenten an Preis- oder Mengenangaben scheitern

Keiner dieser Punkte ist neu, alle sind bereits Teil der WCAG-2.2-Kriterien und damit ohnehin Pflicht. Neu ist lediglich, wer inzwischen mitliest.

Wie SiteCockpit Sie auf Agentic Commerce vorbereitet

easyMonitoring scannt Ihren Shop automatisiert auf WCAG-Barrieren, erkennt fehlende Alt-Texte, schwachen Kontrast und unklare Strukturen und priorisiert die gefundenen Probleme nach Dringlichkeit, statt Sie mit einer langen, unsortierten Fehlerliste allein zu lassen. easyAlt ergänzt fehlende Bildbeschreibungen automatisiert mit KI, und der Kontrastchecker prüft Farbkontraste in Echtzeit direkt im Browser, noch bevor eine neue Produktseite live geht. So entsteht Schritt für Schritt eine Produktdatenbasis, die WCAG-konform und gleichzeitig für KI-Agenten sauber lesbar ist, unabhängig davon, über welches Protokoll ein Agent am Ende zugreift.

Barrierefreiheit ist damit längst keine reine Pflichtübung mehr, sondern die technische Grundlage dafür, im neuen Einkaufskanal Agentic Commerce überhaupt gefunden und ausgewählt zu werden, zusätzlich zur bestehenden Pflicht nach BFSG und EAA. Shops, die diese Grundlage jetzt legen, sind für beide Seiten gerüstet, für Menschen und für Agenten, und müssen bei jedem neuen Protokoll nicht wieder bei null anfangen.

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