Verständlichkeit – Klare Sprache als Grundlage digitaler Barrierefreiheit
Verständlichkeit beschreibt die Eigenschaft eines Textes, von möglichst vielen Menschen ohne Zusatzaufwand erfasst werden zu können. Im Kontext digitaler Barrierefreiheit ist Textverständlichkeit kein redaktioneller Bonus, sondern eine Zugänglichkeitsanforderung: Inhalte, die sprachlich überfrachtet sind, schließen Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Dyslexie oder geringen Sprachkenntnissen aktiv aus.
Die Kriterien für verständliche Texte sind klar: kurze Sätze, geläufige Wörter, eine logische Gliederung, der Verzicht auf unnötige Zusätze und Schachtelsätze sowie der Einsatz konkreter Beispiele, wo immer Fachbegriffe unvermeidlich sind. Einfachheit und Kürze sind dabei keine Vereinfachung des Inhalts, sondern ein Qualitätsmerkmal.
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) verlangt seit dem 28. Juni 2025 WCAG 2.1 Level AA. Das WCAG-Prinzip „Verständlichkeit" (Understandable) ist darin als viertes Grundprinzip verbindlich verankert.
Verständlichkeit auf einen Blick
- WCAG-Prinzip: Verständlichkeit (Understandable) – Kriterien 3.1, 3.2, 3.3
- Sprache: Kurze Sätze, geläufige Wörter, keine überflüssigen Zusätze
- Gliederung: Logischer Aufbau mit Überschriften, Absätzen und Listen
- Inhalt: Konkrete Beispiele statt abstrakter Fachbegriffe verwenden
- Gesetzlich: Teil der WCAG-2.1-Pflicht nach BFSG seit Juni 2025
Das WCAG-Prinzip Verständlichkeit
Die WCAG gliedern Barrierefreiheit in vier Grundprinzipien: Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit. Das Prinzip Verständlichkeit umfasst drei Kriteriengruppen:
- 3.1 Lesbarkeit: Sprache der Seite ist im Code angegeben, ungewöhnliche Begriffe werden erklärt
- 3.2 Vorhersehbarkeit: Seiten verhalten sich konsistent, keine unerwarteten Kontextänderungen
- 3.3 Eingabeunterstützung: Fehlermeldungen sind verständlich, Formulare helfen beim korrekten Ausfüllen
Für die redaktionelle Textgestaltung ist vor allem Kriteriengruppe 3.1 relevant. Sie verlangt unter anderem, dass die Sprache der Seite programmatisch ausgezeichnet ist und dass ungewöhnliche Wörter, Abkürzungen und Fachbegriffe erklärt werden.
Merkmale verständlicher Texte
Textverständlichkeit lässt sich auf einige wenige, gut messbare Kriterien herunterbrechen. Die Forschung zur Lesbarkeit zeigt, dass vor allem Satzlänge, Wortfrequenz und Gliederung darüber entscheiden, wie schnell ein Text erfasst wird:
- Kürze: Sätze unter 15 bis 20 Wörtern sind leichter zu verarbeiten als lange Schachtelsätze
- Geläufige Wörter: Häufig verwendete Wörter werden schneller erkannt und verarbeitet als seltene Begriffe
- Gliederung: Überschriften, Absätze und Listen helfen beim Überfliegen und Einordnen von Inhalten
- Beispiele: Konkrete Beispiele verankern abstrakte Inhalte und erleichtern das Verständnis
- Keine Zusätze: Überflüssige Füllwörter, Redundanzen und nominale Schreibweise erschweren das Lesen
Verständlichkeit und Einfache Sprache
Verständlichkeit und Einfache Sprache sind verwandte, aber unterschiedliche Konzepte. Einfache Sprache folgt einem festgelegten Regelwerk mit sehr kurzen Sätzen, einem Gedanken pro Satz und dem konsequenten Verzicht auf Fremdwörter. Sie richtet sich vor allem an Menschen mit Lernschwierigkeiten oder sehr geringen Sprachkenntnissen.
Verständlichkeit ist der breitere Begriff: Sie beschreibt das allgemeine Ziel, Texte so zu formulieren, dass sie von der größtmöglichen Leserschaft ohne Mühe erfasst werden können, ohne dabei zwingend den strengen Regeln der Leichten Sprache zu folgen. Beide Ansätze ergänzen sich und bedienen unterschiedliche Zielgruppen auf dem Spektrum der Sprachzugänglichkeit.
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easyMonitoring kennenlernen →Häufige Fragen zur Verständlichkeit
Ab welchem Leseniveau gilt ein Text als verständlich?
Es gibt kein einheitliches gesetzliches Leseniveau für allgemeine Webinhalte. Als Orientierung gilt das Sprachniveau B1 bis B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens: Texte auf diesem Niveau sind für die meisten Leserinnen und Leser ohne Schwierigkeiten zugänglich. Für Inhalte, die sich explizit an Menschen mit Lernschwierigkeiten richten, gilt das Regelwerk der Leichten Sprache (A1).
Muss ich Fachbegriffe auf meiner Website immer erklären?
WCAG 3.1.3 empfiehlt, ungewöhnliche Wörter und Fachbegriffe zu erklären. Das gilt vor allem, wenn die Zielgruppe keine Fachkenntnisse voraussetzen kann. Eine Erklärung kann im Fließtext, per Tooltip, in einem Glossar oder über einen Link auf eine Begriffsdefinition erfolgen.
Ist Verständlichkeit nur für Menschen mit Behinderungen relevant?
Nein. Verständliche Texte kommen allen Nutzerinnen und Nutzern zugute: Menschen unter Zeitdruck, Personen, die nicht in ihrer Muttersprache lesen, ältere Menschen und alle, die Inhalte auf mobilen Geräten überfliegen. Verständlichkeit ist universelles Designprinzip, das Barrierefreiheit mit allgemeiner Nutzerfreundlichkeit verbindet.
Wie unterscheidet sich Verständlichkeit von Lesbarkeit?
Lesbarkeit beschreibt die visuelle Zugänglichkeit eines Textes, also Schriftgröße, Zeilenabstand, Kontrast und Schriftart. Verständlichkeit beschreibt die sprachliche und inhaltliche Zugänglichkeit: Satzstruktur, Wortwahl, Gliederung und Komplexität. Beide Dimensionen sind für barrierefreie Texte notwendig und ergänzen sich.
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