Lese-Rechtschreibstörung

22.05.2026

Lese-Rechtschreibstörung (LRS)

Eine Lese-Rechtschreibstörung – im klinischen Kontext auch als Legasthenie bekannt – ist weit mehr als eine vorübergehende Lernschwierigkeit. Es handelt sich um eine massive und lang anhaltende Beeinträchtigung beim Erwerb der Schriftsprache, die Betroffene oft ein Leben lang begleitet. Menschen mit einer LRS haben erhebliche Probleme dabei, Wörter flüssig zu lesen und Buchstabenfolgen korrekt in Schrift umzusetzen. Die Abgrenzung zur reinen Rechtschreibschwäche ist dabei entscheidend: Während eine Rechtschreibschwäche häufig erworben und durch gezieltes Üben ausgleichbar ist, beschreibt die Lese-Rechtschreibstörung eine neurologisch bedingte Problematik.

Die Ursachen einer Lese-Rechtschreibstörung liegen in einer abweichenden Informationsverarbeitung im Gehirn. Betroffenen fällt es schwer, die Lautstruktur der Sprache zu erkennen (phonologische Prozesse), was das Zusammensetzen von Buchstaben zu Wörtern erschwert. Wichtig ist: Diese Störung ist kein Zeichen mangelnder Intelligenz, sondern eine neurobiologische Besonderheit. Viele Kinder mit LRS zeigen eine durchschnittliche oder überdurchschnittliche Intelligenz – ihre schulischen Leistungen spiegeln ihr tatsächliches Potenzial jedoch nicht wider, solange keine Therapie oder Förderung erfolgt.

In der Schule sind bis zu 10 Prozent der Kinder in einer Klasse von einer Lese-Rechtschreibstörung oder Legasthenie betroffen. Ohne frühzeitige Diagnose und einen fundierten Nachteilsausgleich riskieren diese Kinder schulische Misserfolge, die ihre Leistungen dauerhaft einschränken und in vielen Fällen auch die spätere Ausbildungs- und Berufswahl beeinflussen.

LRS, Legasthenie und Rechtschreibschwäche – die Abgrenzung

  • Legasthenie: Synonym für die Lese-Rechtschreibstörung. Betont die neurobiologische Persistenz der Probleme beim Lesen und Schreiben. Mehr dazu im Beitrag zur Dyslexie.
  • Lese-Rechtschreibstörung (LRS): Der medizinische Oberbegriff, der sowohl das Lesen als auch das Schreiben umfasst. Diagnose erfolgt unabhängig von der Intelligenz.
  • Rechtschreibschwäche: Meist erworbene, weniger persistente Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung – häufig durch Unterrichtsausfall oder wenig Übung. Durch Therapie und Training gut ausgleichbar.
  • Gemeinsamer Nenner: In allen Fällen sind eine fachliche Therapie, ein stabiles Umfeld (z. B. informierte Elternteile) und eine barrierearme digitale Umgebung entscheidend für den Erfolg der Betroffenen.

Symptome und typische Probleme bei LRS

Die Erscheinungsformen einer Lese-Rechtschreibstörung zeigen sich oft schon in den ersten Jahren der Schule, meist in der ersten bis zweiten Klasse. Betroffene Kinder kämpfen mit einer Vielzahl von Hürden, die das Schreiben und Lesen zur täglichen Belastung machen. Typische Anzeichen einer LRS oder Legasthenie sind:

  • Mangelnde phonologische Bewusstheit: Einzelne Buchstaben und Laute können nicht sicher zu Wörtern verbunden werden.
  • Typische Rechtschreibfehler: Buchstaben werden innerhalb von Wörtern ausgelassen, vertauscht oder falsch zugeordnet – charakteristisch für eine Rechtschreibstörung.
  • Langsames Lesetempo: Das Erfassen von Texten dauert bei Betroffenen deutlich länger und führt zu schneller Erschöpfung (visueller Stress).
  • Geringe Merkfähigkeit für Wortbilder: Schwierigkeiten beim Behalten von Wörtern, Reihenfolgen von Buchstaben oder orthografischen Mustern.
  • Diskrepanz zur Intelligenz: Die schulischen Leistungen im Schreiben und Lesen liegen deutlich unter dem, was die allgemeine Intelligenz der Kinder erwarten ließe.

Diagnose und Therapie der Lese-Rechtschreibstörung

Eine gesicherte Diagnose ist die Grundlage jeder wirksamen Förderung. Die Diagnose einer LRS erfolgt durch standardisierte Tests, die das Lesen von Wörtern, die Rechtschreibung und die phonologische Verarbeitung prüfen. Fachkräfte vergleichen diese Leistungen mit der allgemeinen Intelligenz und dem Alter der Kinder – erst diese Diskrepanz bestätigt die Diagnose einer Rechtschreibstörung.

Eine spezialisierte Therapie setzt dort an, wo die Probleme entstehen: bei der Verknüpfung von Lauten und Buchstaben. Die Therapie vermittelt Betroffenen Kompensationsstrategien, stärkt die phonologische Bewusstheit und unterstützt das systematische Erlernen von Wörtern. Je früher die Diagnose und Therapie in der Schule einsetzen, desto besser sind die langfristigen schulischen Leistungen der betroffenen Kinder.

Digitale Barrierefreiheit als Schlüssel zur Teilhabe

Für Menschen mit einer Lese-Rechtschreib-Störung oder Legasthenie stellt das Internet oft eine unüberwindbare Wand aus Text dar. Zu komplexe Sätze, eine unklare Darstellung von Buchstaben, schlecht lesbare Schriftarten und fehlende technische Unterstützung grenzen Betroffene aus. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) verpflichtet Unternehmen seit dem 28. Juni 2025 dazu, digitale Angebote zugänglich zu gestalten – davon profitieren auch Menschen mit LRS und Rechtschreibschwäche direkt.

Durch eine klare visuelle Gestaltung, die Verwendung legasthenie-freundlicher Schriftarten (z. B. OpenDyslexic) und die Bereitstellung von Vorlesefunktionen lassen sich die typischen Schwierigkeiten beim Lesen von Wörtern deutlich mindern. Davon profitieren Betroffene unabhängig von Alter, Ausbildungsstand oder Diagnose.

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Fragen zur Lese-Rechtschreib-Störung

Wann sollte man eine LRS-Diagnose einleiten?

Sobald Kinder über einen längeren Zeitraum auffällige Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben zeigen, die trotz Übung nicht verschwinden, sollte eine Fachkraft zur Diagnose kontaktiert werden. Eine frühzeitige Diagnose ist in den meisten Fällen entscheidend für den Therapieerfolg und die schulischen Leistungen.

Gibt es eine effektive Therapie bei Legasthenie und LRS?

Ja, eine spezialisierte pädagogische Therapie hilft Betroffenen, Kompensationsstrategien zu erlernen und die phonologischen Prozesse beim Lesen von Wörtern zu stärken. Ergänzend dazu unterstützen digitale Hilfsmittel wie Vorlesefunktionen die Betroffenen im Alltag.

Ist eine Lese-Rechtschreibstörung eine Form von Faulheit?

Nein. LRS ist eine neurologische Entwicklungsstörung und hat nichts mit Intelligenz oder Motivation zu tun. Die Anstrengung beim Lesen und Schreiben ist für Betroffene um ein Vielfaches höher als bei anderen Kindern oder Erwachsenen.

Was ist der Unterschied zwischen LRS und Rechtschreibschwäche?

Die Lese-Rechtschreibstörung (LRS) ist neurobiologisch bedingt und persistent. Eine reine Rechtschreibschwäche entsteht dagegen häufig durch äußere Faktoren wie Unterrichtsausfall und lässt sich durch gezielte Therapie und Übung meist schneller beheben.

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